Den Energieausweis verstehen

Verkäufer und Vermieter sind gesetzlich verpflichtet, einen Energieausweis erstellen zu lassen und dem Käufer oder Mieter zu übergeben. Was sagen die Werte aber aus?

Sie schauen regelmäßig in die Zeitung und studieren die aktuellen Immobilienangebote? Dann sind Ihnen sicher schon diverse kryptische Zusätze wie „HWB“ oder „fGEE“ in den Inseraten aufgefallen. Wahrscheinlich wissen Sie bereits, dass diese Angaben sich auf den Energieausweis beziehen. Was aber bedeuten diese Werte?

Je niedriger, desto besser

Grundsätzlich kann man sagen, dass niedrigere Werte für geringere Energiekosten stehen. Der „HWB“ gibt den errechneten Heizwärmebedarf in kWh pro m² und Jahr an, also wieviele Kilowattstunden Energie man für die Raumheizung benötigt.

Das alleine sagt aber noch nichts über die tatsächlichen Heizkosten aus, da diesen Werten ein Normverhalten zugrundegelegt wird. Konkret bedeutet das, dass Sie die Wohnung oder das Haus nicht über 20°C beheizen dürfen, wenn Sie diesen Normwert erreichen wollen. Jedes Grad wärmer erhöht aber die Heizkosten um ca. 6%, ebenso wie überdurchschnittlich häufiges Lüften oder ständig gekippte Fenster.

Referenz- vs. Standortklima

Zu beachten ist überdies noch, auf welches Klima sich der angegebene „HWB“ bezieht: Die Zuordnung in eine bestimmte Klasse (zB. „A++“ für Passivhäuser) erfolgt nach einem österreichweit einheitlichen Referenzklima (HWBREF), welches allerdings nur dem bundesweiten Vergleich der Gebäude untereinander dient und nicht die standortbezogenen Klimafaktoren und die Lager der Immobilie berücksichtigt (Sonnenstunden, Höhe, Ausrichtung). Aussagekräftiger für den tatsächlichen Heizbedarf ist der „HWBSK„, welcher zumindet rechnerisch das Standortklima berücksichtigt. Fehlende Sonnenstunden durch hohe Bäume oder ähnliche Besonderheiten verfälschen allerdings auch dieses Ergebnis.

Gesamtkosten ausrechnen

Foto: dreamstime.com ID 24420764 © 3d_kot
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Wenn Sie wissen wollen, wieviel Energie Sie für Heizung und Warmwasser insgesamt aufwenden müssen, sollten Sie sich den Heizenergiebedarf („HEB“) im Energieausweis näher anschauen. In diesem Wert sind auch die technisch bedingten Verluste duch die Heizanlage berücksichtigt.

Sie wissen von Ihrer Immobilie nun den Energiebedarf in kWh/m² pro Jahr, jetzt können Sie die Gesamtkosten ermitteln. Vorher müssen Sie in einem kleinen Zwischenschritt noch umrechnen, wieviele kWh in einer Einheit des Brennstoffes der Heizanlage stecken: In Heizöl EL verbergen sich 11,8 kWh pro Liter, in Erdgas ca. 11,2 kWh pro m³ und Pellets ca. 4,9 kWh pro kg. In einem konkreten Beispiel gerechnet ergibt sich Folgendes:

Wenn ein Haus einen HEB von 12.800 kWh pro Jahr hat, dividieren Sie diesen Wert bei einer Ölheizung durch 11,8 und wissen nun, dass Sie ca. 1.085 Liter Heizöl tanken müssen, um über das Jahr zu kommen. Multipliziert mit dem aktuellen Ölpreis kennen Sie nun die (rechnerischen!) Gesamtkosten.

Es geht noch komplizierter

Zusätzlich zum HWB findet man immer öfter den „Gesamtenergie-Effizienz-Faktor“ (fGEE). Dieser Wert ist vollkommen abstrakt und beschreibt die Energieeffizienz eines Gebäudes samt Technik im Vergleich zu einem Haus, welches nach dem Stand von 2007 gebaut wurde (fGEE = 1). Auch hier gilt: Je niedriger, desto besser. Ein Altbau wird beispielsweise einen fGEE von 2,5 aufweisen.

TIPP: Papier ist geduldig und es gibt viele Fehlerquellen bei der Berechnung! Wenn die Immobilie bis vor kurzem noch bewohnt war, lassen Sie sich die letzten Heizrechnungen zeigen.