Richtig dämmen macht Sinn

Qualitätsvoller, zukunftsfähiger Baustandard sichert hohen Wohnkomfort. Wer neu baut oder saniert, sollte dies im eigenen Interesse bestmöglich, also auf Niedrigstenergie-Standard tun.

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Heute umgesetzte Sanierungsmaßnahmen definieren die Betriebskosten der nächsten 20 bis 30 Jahre. Zudem tragen sie maßgeblich zum Wohlbefinden im neuen oder sanierten Heim bei. Eine sehr gut gedämmte Gebäudehülle in Kombination mit hochqualitativen Mehrfachverglasungen sorgen für rundum warme Oberflächen von Wänden, Decken, Böden und Fenstern. Diese ausgeglichenen Temperaturen empfinden wir als angenehm und behaglich.

Ein gutes Planungskonzept richtet sich daher nicht nur nach den aktuellsten Mindestanforderungen, sondern bezieht die nächsten Jahrzehnte mit ein. Vorraussetzung für die effiziente Wärmedämmung eines Gebäudes ist allerdings nicht nur eine hohe Dämmstärke, sondern sind auch angepasste Baustoffe und Dämmsysteme, die als System zusammenarbeiten.

Dämmen als System

Erst die perfekte Kombination aus hochwertigen Baustoffen und fachgerechter Ausführung garantiert das gewünschte optimale Gesamtergebnis, nämlich ein perfekter Wohnkomfort bei möglichst niedrigen Energie- und Betriebskosten.

Die Dämmung der Außenwände ist besonders wichtig, weil diese meist den größten Flächenanteil eines Gebäudes bilden. Bei konventionellen Einfamilienhäusern gehen 35 bis 50% der Energie über die Außenwände verloren. Zur Dämmung der Außenwände kommen im Regelfall das Wärmedämmverbundsystem oder eine entsprechende vorgehängte, hinterlüftete Fassade zum Einsatz, abhängig von der gewünschten Optik.

Dämmstoffe im Überblick:

  • Glaswolle (Mineralwolle): Mineralwolle sind zu Platten verfilzte Glasfasern. Rohstoff: überwiegend natürliche Gesteine und Altglas; handelsübliche Form: Dämmfilze, Dämmmatten, Rohrschalen
  • Glasschaum-Granulat: Rohstoff 100% Altglas, alterungsbeständig, formstabil, tragfähig, frostsicher, resistent gegen chemische Einflüsse und gegen Insekten- und Nagetierfraß. Äußerst leichte Verarbeitung durch das geringe Gewicht. Handelsübliche Form: Granulat, loses Schüttmaterial.
  • Steinwolle: Rohstoff überwiegend natürliche Gesteine. Handelsübliche Form: Dämmfilz, Dämmplatten.
  • Zellulose: Rohstoffe überwiegend Altpapier. Handelsübliche Form: lose Flocken zum Einblasen, Platten.
  • Schafwolle: Rohstoff überwiegend Schafwolle. Handelsübliche Form: Matten.
  • Hanf/Flachs: Rohstoff überwiegend Hanf und Flachs. Matten als handelsübliche Form.
  • Hartschaumstoff EPS: Expandiertes Polystyrol („Styropor“) in Form von Hartschaumplatten für Wärmedämmung, Boden-, Wand- und Trittschalldämmung. Rohstoff überwiegend Polystyrol (wird durch Erdölraffination hergestellt).
  • Hartschaum XPS: Extrudierter Polystyrol Hartschaum, sehr gute Wärmedämmung, hohe Druckfestigkeit, geringe Feuchtigkeitsaufnahme, daher überall einsetzbar. Rohstoff überwiegend Polystyrol in Platten als handelsüblicher Form.
  • Holzweichfaserplatten: Rohstoff überwiegend Restnadelhölzer; handelsübliche Form: Platten.
  • Holzwolle-Leichtbauplatten: Rohstoff überwiegend Zement oder Magnesit in Platten als handelsüblicher Form.
  • Kork: Rohstoff überwiegend Kork in Platten oder Granulat.
  • Kokos: Rohstoff überwiegend Kokos, baubiologisch erstklassiger Dämmstoff, hautverträglich. Form: Platten oder Matten.
  • Schaumglas: Rohstoff 60% Altglas, der Rest natürliches Gestein. Schaumglas ist formstabil, nicht brennbar, hoch druckfest, wasser- und dampfdicht, ungeziefer- und säureresistent, FCKW-, HFCKW- und HFKW-frei. Handelsübliche Form: Platten, Rohrschalen.
  • Blähperlite: Perlit ist ein Vulkansgestein, dem das Wasser durch Erhitzen entzogen wird. Das Gestein bläht sich dadurch auf ein Vielfaches auf. Perlit ist ein feinkörniges Schüttmaterial und wird zur Wärmedämmung bzw. Schalldämmung im Fußbodenbereich eingesetzt.
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Eine gute Dämmwirkung und eine langfristig schöne Fassade hängen neben der gewählten Dämmstoffdicke und dem Dämmmaterial vor allem von der Planungs- und Ausführungsqualität ab. Um die gewünschte Dämmwirkung zu erreichen und optische Mängel zu verhindern, muss besonders auf die Vermeidung von Wärmebrücken, sowie auf die luft- und winddichte Ausführung geachtet werden.

Planungs- und Sanierungskonzepte

Energieeffiziente Gebäude benötigen daher besonders große Sorgfalt von der Planung bis zur Ausführung. Für den praktischen Planungsalltag werden schon in den Verarbeitungsrichtlinien der einzelnen Produkte und in verschiedenen Bauteilkatalogen bewährte Detaillösungen aufgezeigt, auf die der Bauherr bzw. Planer zurückgreifen kann.

Achtung: Für eine dauerhafte mängelfreie Ausführung braucht es eine genaue Detailplanung aller wichtigen Bauteile. Ein Einreichplan als Grundlage für die Ausführung ist meist nicht ausreichend. Leider sehen wir in der Praxis immer wieder, dass auf eine normgerechte Verarbeitung verzichtet wird und daraus bereits nach kurzer Zeit ernsthafte Bauschäden resultieren.

Die Einbeziehung eines erfahrenen Planers rechnet sich auf alle Fälle, denn die Kosten für Baumaßnahmen können besonders in dieser Phase entscheidend beeinflusst werden. Detailplanung, Ausschreibung, Vergabe und Terminplanung sind wichtige Werkzeuge für hohe Qualität.

Im Zuge eines Bauprojektes sollte auch die Zusammenarbeit mit Fachplanern und die Koordination zwischen den einzelnen Beteiligten am Bau bedacht werden. So ist beispielsweise bei der Dämmung einer Fassade speziell auf die angrenzenden Bauteile, wie z.B. das Fenster und die Fensterbank, den Sonnenschutz oder Bauwerksabdichtungen acht zu geben. Hier gibt es auch noch weitere bautechnische „Anschlüsse“, die ohne ein ausführliches Konzept leicht zu übersehen sind, z.B. Geländer, Sockelpflaster, Stiegen oder angebaute Bauteile.

In der Sanierung müssen fast immer individuelle Lösungen gefunden werden. Jede einzelne Sanierungsmaßnahme sollte unbedingt im Zuge eines Sanierungskonzeptes betrachtet werden. Ökologische Baustoffe sind im Sinne gelebter Nachhaltigkeit natürlich zu bevorzugen. Enegieeffizienz und Klimaschutz haben sicher ihren Preis, lassen sich aber nicht auf Emissionen und Dämmstärken beschränken. Energieeffizienz bedeutet viel mehr Ressourcenschonung, Langlebigkeit, Qualität, Komfort und Lebensqualität.

Die Förderungen des Landes nutzen

Auf der Homepage des Landes Tirol kann man unter der Rubrik „Wohnbauförderung“ umfangreiche Informationen zum Thema Förderungsmöglichkeiten bei Neubau und Sanierung erfahren.

Die subjektiv empfundene Raumtemperatur ist der Mittelwert aus Luft- und Wandtemperatur. Sind die Innnenflächen eines Raumes warm, so kann die Lufttemperatur um 1 bis 2º  Celsius abgesenkt werden, ohne dass man dies spürt. Jedes Grad Temperaturabsenkung bedeutet eine Energieeinsparung von 4 bis 6%!

Grundsätzlich ist es wichtig zu wissen, dass es für Neubauten ein Punktsystem gibt, welches sich über den Energieausweis eines Gebäudes anwenden lässt. Je energieeffizienter ein Bauwerk ist (Niedrigenergiehaus, Passivhaus, „Klima-aktiv“-Haus,…), desto mehr Punkte kann es erreichen. Aus dem Produkt von Wohnnutzfläche, Punkten und Euros (1 Punkt entspricht 10 Euro) errechnet sich die Höhe der Förderung, die im Regelfall zwischen € 12.000,- und € 20.000,- bar auf die Hand ausmacht. In der Sanierung werden 25% der Dämmkosten ersetzt, beim Einsatz von Ökodämmstoffen sogar 30% – auch auf die Verkleidung solcher Dämmstoffe kann derselbe Prozentsatz vergütet werden.

Außenwanddämmungen:

  • Verputzte Fassade: Wärmedämmverbundsystem – Hier werden druckfeste Dämmplatten direkt auf die tragende Wandkonstruktion geklebt und gedübelt. Danach wird die Dämmng verputzt. Es entsteht wiederum eine Putzoberfläche.
  • Hinterlüftete Fassade: Bei diesem System werden weiche Dämmplatten zwischen einer Unterkonstruktion (Holzlatten, Metallanker, etc. ) aufgebracht. Die Unterkonstruktion dient vor allem dazu, die eigentliche Fassade (Holzschalung, Fassadenplatten, Stein, Putzträgerplatte, etc.) zu tragen. Hier gibt es sehr viele Möglichkeiten der optischen Gestaltung.
  • Innendämmung: In speziellen Fällen (z.B. bei denkmalgeschützten Fassaden) bietet sich eine Innendämmung an, bei der die Wärmedämmung raumseitig angebracht wird. Die Innendämmung ist immer nur die zweitbeste Lösung, da sie bauphysikalisch problematischer ist als eine Außendämmung.
  • Monolithische Bauweise: Bei dieser Bauweise fallen Tragwerks- und Dämmfunktion zusammen. Es braucht also kein zusätzliches Dämmsystem. Zu dieser Bauweise zählen hochporosierte, bis zu 50 cm dicke Ziegelsteine, die zusätzlich mit Dämmeinlagen (meist Mineralwolle oder Perlite) zwischen den Stegen versehen sein können, aber auch Steine aus Porenbeton. Ferner sind Mauersteine aus Blähton oder Holzspan-Beton mit integrierter Dämmlage am Markt erhältlich.

Vorraussetzung für die Inanspruchnahme einer Förderung ist in jedem Fall die Berechnung des Heizwärmebedarfs (HWB) nach den Bestimmungen der Tiroler Bauordnung. Der HWB gibt den grundlegenden Wärmebedarf an, der aufzuwenden ist um das Gebäude für den Aufenthalt von Menschen warm zu halten. Dabei wird aber nicht der kälteste Winter angewendet, sondern ein Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre. Der Wert sagt nichts darüber aus, wie man selber heizt oder lüftet. Dieses sogenannte „individuelle Nutzerverhalten“ wird nicht berücksichtigt, um objektiv das Gebäude bzw. die Nutzungseinheit vergleichen zu können. Je niedriger der Wert des HWB ist, desto weniger Energie muss in das Gebäude gesteckt werden, damit es im Winter warm bleibt. Für die Berechnung spielt das sogenannte AV-Verhältnis, das Verhältnis zwischen Oberfläche und Volumen eines Gebäudes eine entscheidende Rolle. Je kompakter das Haus, desto weniger Energie geht durch die Gebäudehülle verloren. Auskragende Elemente (Erker, etc.) wirken sich daher leider trotz des ansprechenden optischen Auftritts besonders negativ auf dieses Verhältnis aus.

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Die Zukunft der Dämmstoffe liegt wieder zunehmend in ökologischen Baustoffen, nicht zuletzt aufgrund der laufend steigenden Energiekosten. Ein Forschungsprojekt der Uni Innsbruck und Partner hat vor Kurzem ein neu entwickeltes Fassadensystem aus Holz vorgestellt. Es soll bei der Sanierung von Gebäuden eine günstigere und ökologisch wertvolle Alternative zu bereits bestehenden Produkten sein. Die Holzriegelwand-Konstruktion kann ohne Gerüst bis über 20 Meter an bestehenden Fassaden angebracht werden, wird mit Zellulose ausgeblasen und bietet auch einen ausreichenden Brandschutz.

Unsere Gastautorin DI Caterina Molzer-Sauper ist neben ihrer Arbeit als Architektin auch als freie Journalistin (u.a. für die TT) sowie in der Redaktion des „Tiroler Passivhausmagazins“ tätig.